Psychologie ist die Wissenschaft vom Erleben und Verhalten des Menschen. Sie beschäftigt sich z. B. mit Empfindungen und Wahrnehmungen, mit Denken, Lernen und Gedächtnis, mit dem Fühlen und Wollen, mit Persönlichkeit und Verhalten. Arbeitspsychologie ist ein Teilbereich der Psychologie, der sich speziell mit dem Verhältnis von Mensch und Arbeit beschäftigt.
Die Abbildung zeigt einige Aspekte der Interaktion von Mensch und Arbeit.
Die Arbeitspsychologie untersucht die Beziehungen zwischen Arbeitsbedingungen und menschlichem Verhalten sowie Erleben. Beispielsweise beschäftigt sich die Arbeitspsychologie mit der Frage, wie Menschen die Anforderungen ihres Arbeits- platzes bewältigen, wie dabei verschiedene Anforderungen oder Belastungsfaktoren (z. B. Entscheidungsspielräume oder Zeitdruck) auf den Menschen wirken oder wie Arbeit gestaltet sein sollte, damit sie nicht krank macht sondern positiv – im besten Fall als Anregung oder Herausforderung – erlebt wird. Bereiche wie Arbeitssicherheit, Arbeitszufriedenheit, Weiterbildung, Arbeitsplatzgestaltung aber auch Themen, wie Stress, Burnout, Mobbing gehören zum Aufgabenbereich von Arbeitspsychologen. Und natürlich gehören auch berufliche Rehabilitation und die Wiedereingliederung erkrankter oder verletzter Mitarbeiter in das Arbeitsleben dazu.
Auch die Arbeitspsychologie hat im Reha-Management
vorrangig das Ziel, die Basis für die zeitnahe berufliche Reintegration zu
sichern.
Überlegungen zur
Integration der Psychologie ins Reha-Management
> Traditionelle
Auffassung: "Psyche" ist im BG-lichen Heilverfahren nur in Form gutachterlich anerkannter "psychischer Unfallfolgen" relevant. Das
bedeutet, dass "Psyche" erst dann Beachtung findet, wenn sie bereits
gestört ist. > "Psyche"
existiert aber überwiegend in ungestörter Form! Sorgen und Ängste, Erwartungen
und Befürchtungen, Ziele und Motive sind Ausdruck normaler psychischer Prozesse. Sie können konstruktiv genutzt werden oder Hemmnisse im Heilverfahren darstellen. >
Reha-Management
kann erfolgreicher sein, wenn es von Anfang an die "Psyche" des Versicherten
mit berücksichtigt. >
Reha-Management
kann im Hinblick auf psychische Unfallfolgen präventiv wirken. Die diesbezüglichen
Spielräume wurden bislang aber zu selten genutzt. >
Wenn
psychische Unfallfolgen vorliegen, erfordern diese eine spezielle Diagnostik und Therapie.
Daraus ergeben sich die Ziele und Arbeitsschwerpunkte der Psychologie im Reha-Management:
>
Stand
der Unfallbewältigung klären, ggf. Hilfen anbieten >
Ziele/Motive
des Versicherten im Reha-Prozess klären und mit der Reha-Planung abgleichen
–alle Beteiligten sollen möglichst ihre Ziele erreichen können! >
Hemmnisse/Barrieren
im Prozess der beruflichen Wiedereingliederung ermitteln und – wenn möglich –
beseitigen >
Klärung
eventueller Unfallfolgen auf psychologischem Gebiet – bei Bedarf Diagnose
stellen und Behandlung einleiten (Stichworte: Posttraumatische Belastungsstörung, Anpassungsstörung, spezifische Phobie, chronischer Schmerz,
Hirnleistungsdefizite nach leichtem Schädel-Hirn-Trauma) >
arbeitspsychologisches
Profiling zur Klärung der für die berufliche Wiedereingliederung nutzbaren
Leistungsvoraussetzungen und Ressourcen
Weiterbildungsangebote für Berufsgenossenschaften >
fachliche
Beratung der BGn und Fallsupervision
Wann sollte die Arbeitspsychologie im Reha-Management
eingeschaltet werden? z. B. >
nach
Unfällen, die potentiell ein Trauma gewesen sein könnten (z. B. bei schweren Verkehrsunfällen, schweren Unfällen mit Maschinen, traumatischen Amputationen, Überfällen) >
nach Verkehrsunfällen
mit leichten Schädel-Hirn-Verletzungen (weil diese manchmal doch relevante
Folgen haben können) >
bei
chronischen Schmerzen (zur Klärung, in welchem Umfang unfallabhängige oder unfallunabhängige
psychische Faktoren als verursachende oder aufrechterhaltende Faktoren
beteiligt sein könnten und zur Klärung möglicher Behandlungsansätze) >
bei
sehr schweren Verletzungen und bei entstellenden Verletzungen (v. a. Gesicht
und Hände) >
bei
Hinweisen auf gedrückte Stimmungslagen, Albträume, Ängste etc. (Klärung eventueller
Unfallfolgen auf psychologischem Gebiet oder psychischer Begleiterkrankungen) >
bei
schweren Komplikationen im Heilverfahren (z. B. Wundheilungsstörungen mit notwendiger
Revision oder Amputation, wiederholte operative Eingriffe, unerwartet lange
Dauer des Heilverfahrens) >
bei
Verzögerungen und Schwierigkeiten im Heilverfahren, die nicht bzw. nicht allein durch medizinische Komplikationen bedingt sind >
wenn
Versuche der beruflichen Wiedereingliederung (wiederholt) scheitern >
wenn
der oder die Versicherte das wünscht
Welche Antworten kann die Arbeitspsychologie geben?
>
Einschätzung
der aktuellen psychischen Stabilität und Befindlichkeit >
Anhaltspunkte
für das Vorliegen von Unfallfolgen auf psychologischem Gebiet >
Hinweise
zum Vorliegen unfallunabhängiger psychischer Belastungen oder Vorerkrankungen >
Hinweise
zu den Zielen des Versicherten im Heilverfahren und zu seiner Reha-Motivation >
Anhaltspunkte
für mögliche Komplikationen im Heilverfahren >
Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit aus psychologischer Sicht >
Angaben
zu erforderlichen Maßnahmen, z. B. weitere psychologische Gespräche, Vorschläge für Medikation, Hinweise zur weiteren Gestaltung des HV, Vorschläge für konkrete Maßnahmen (z. B. Durchführung
einer Arbeits- und Belastungserprobung in betreuter Form, ambulante
Psychotherapie, stationäre Reha etc.)
Hinweis: Je konkreter die gestellten Fragen sind, desto genauer und "brauchbarer" sind die Antworten.
Die Arbeitspsychologie versteht sich im Reha-Management nicht als ein zusätzliches Therapieangebot. Sie soll im Integrationskonzept im Einzelfall helfen, nutzbare Potentiale des Versicherten zu erkennen und mögliche Hemmnisse im Prozess der beruflichen Reintegration frühzeitig zu identifizieren und abzubauen.
Meine Partner in der Praxis:
Ich arbeite eng mit den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung (www.dguv.de)
zusammen, vor allem in Nordwest- und Mitteldeutschland. Wichtige Partner sind
z. B. die BG der Bauwirtschaft in Hannover (www.bgbau.de) sowie die BG Metall
Nord Süd in Hannover (www.bg-metall.de). Eine enge Zusammenarbeit verbindet mich mit dem
Friederikenstift in Hannover und insbesondere mit der BG-Sonderstation/Zentrum
für integrative Rehabilitation Bad Münder (www.friederikenstift.de).
Auf psychotherapeutischem Gebiet besteht eine enge Zusammenarbeit mit Frau Dr.
Bubenzer, die ihre Praxis für Psychotherapie im Herbst 2009 im Medizinischen
Versorgungszentrum (MVZ) Calenberger Neustadt Hannover eröffnet hat
(www.mvz-calenberger-neustadt.de). Zudem arbeite ich seit Jahren mit der Praxis
für Ergotherapie Wolters & Sohns zusammen (www.wolters-sohns.de).